ROSEN UND ROSINEN · Dezember 2017

Franz Gertsch, Bagatelle III · Gräser [Herbes], 2003 Holzschnitt, 76 × 103 cm, Probeabzug in rot-orange, auf Japanpapier, Sammlung des Künstlers
Copy Right Jenisch Museum Vevey

FRANZ GERTSCH in Vevey
REFORMATION in Zürich
KLOSTER EINSIEDELN in Zürich

FRANZ GERTSCH VISAGES PAYSAGES

-4. Feb. 18
VEVEY, Musée Jenisch www.museejenisch.ch
Das vielseitige Jenisch-Museum in Vevey feiert dieses Jahr sein 120-jähriges Bestehen. Neben der Fondation Kokoschka beherbergt es eine feine, kleine Sammlung, und auch die grafischen Künste werden in Vevey aufmerksam gepflegt.  Seit dem Oktober sind dort 22 grossformatige, einfarbige Holzschnitte vom Berner Künstler und Altmeister Franz Gertsch zu sehen, in leuchtenden und verhaltenen Farben, von Gesichtern und Landschaften.
Der bald 90-jährige Gertsch, dessen Werk am ehesten in den grossen graphischen Sammlungen und Kupferstichkabinetten oder natürlich im Franz Gertsch-Museum in Burgdorf zu sehen ist, verblüfft immer von neuem mit seiner Ausdauer und seiner technischen Virtuosität und Vision.  Mit der ihm eigenen Technik hat er den Holzschnitt neu erfunden: mit der Spitze des Hohleisens sticht er aus Linden-, Birnen- oder Tannenholz Einkerbungen heraus, und es entstehen die monumentalen, mehrere Meter breiten oder hohen Arbeiten mit dem ausgefaserten Rand.  Das Papier wird in Japan vom Spezialisten und Meister Heizoburo Iwano zusammen mit mehreren Personen handgeschöpft.  Franz Gertsch stellt darauf Porträts, oder die Jahreszeiten (Sommer, Winter), das Unterholz um seinen Wohnsitz Rüschegg nahe von Burgdorf, Pflanzen (Gräser, Pestwurz), oder Schwarzwasser dar: Wellen, die konzentrische Kreise legen oder Wasser, das über Steine hinunter fliesst. Je dichter die Punkte, umso heller die Stelle fürs Auge. Je weiter auseinander die weissen Stellen, desto mehr ist die Partie beim Betrachten im Halbdunkel oder überschattet.  Nah am Bild erlebt man vor den unzähligen Punktflächen einen Taumel, und wenn man einige Meter zurücktritt, erkennt man, was diese schliesslich entstehen lassen und abbilden: den weichen Schnee, die schneidenden Gräser, das glucksende Wasser, die klaren Gesichtszüge.  Hyperrealismus‘ wird die Stilrichtung genannt – eine Art Trompe l’Oeil!  Aber diesmal sind die Kunstwerke nicht gemalt, wie beim Ostschweizer Maler Adolf Dietrich (Rosen und Rosinen Nov.17), sondern gestochen und ausgespart – wie ein Sternenhimmel aus unzähligen winzigen Punkten und Lichtjahren…
Vevey 25.Nov.17

REFORMATION

-14. Janaur 18
Zürich, Kunsthaus www.kunsthaus.ch
Schon ist der Eingangsbereich im Kunsthaus Zürich geschlossen und der angrenzende Neubau am Heimplatz wird hochgezogen. In den Räumen der Sammlung gedenkt man den vor 500 Jahren formulierten Thesen Luthers, und damit den Schweizer Reformatoren Zwingli und Calvin. Dies tut man mit sakralen Kunstwerken, und anhand von Gemälden, welche die einschneidenden Folgen der Reformation auf die Kunstproduktion und die Bildthemen aufzeigen. Im ausgehenden Spätmittelalter sind Heiligenlegenden und Mariendarstellungen für die Künstler noch ein ,Muss‘. Nach Luthers Thesen und auch Zwinglis Äusserungen, die unter den entsprechenden Schnitzwerken oder Gemälden zitiert werden, sind die obigen Bildinhalte schliesslich verpönt. Der Bilderstreit bewirkte, dass unzählige Kunstwerke mit Heiligendarstellungen zerstört wurden (wie auch am Skulpturenfund der Münsterterrasse und der nachfolgenden Ausstellung im Historischen Museum Bern zu sehen war). Die Begründung der fanatischen Bilderstürmer war, dass die Heiligenbilder der Götzenverehrung dienen, und von Gott und vom wahren Glauben abbringen. Im Ausstellungskapitel der späteren Gegenreformation besticht ein Gemälde von El Greco, mit einem Kardinal in feuerrotem Gewand, oder von Rembrandt des Heiligen Simon, als schlichter Schreiner dargestellt, entstanden in den protestantischen Niederlanden. Die interessante Ausstellung spannt den Bogen vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert, zum Fresko ,Einmut‘ von Ferdinand Hodler, mit einer Fülle von Vorstudien. Dieses politische Thema als Ausdruck demokratischer Partizipation, und schliesslich Werke von Mondrian und Glarner, die sich in abstrakten Grundformen mit rechten Winkeln und Balken auf die Grundfarben Gelb-Rot-Blau und Schwarz-Weiss oder Grau beschränken, um in dieser Reduktion das Absolute einzufangen.
Zürich 24.Nov.17

KLOSTER EINSIEDELN. Pilgern seit 1000 Jahren

-21. Januar 18
Zürich, Landesmuseum www.landesmuseum.ch
Das Kloster Einsiedeln hat eine mehr als tausendjährige Geschichte. Der auf der Insel Reichenau ausgebildete Mönch Meinrad liess sich im 9. Jahrhundert im Finstern Wald im heutigen Einsiedeln nieder, und soll dort eine Klause zur Einsiedelei und eine Kapelle erbaut haben. Nach seiner Ermordung entstand an diesem Ort durch spätere Brüder, die sich auch dort niederliessen, eine Kirche und ein Kloster. Die heutige grosse Benediktinerabtei bildet ein UNESCO-Weltkulturerbe und wird rege von Pilgern und Wallfahrern besucht. Die Verehrung vom Heiligen Meinrad hat sich auf die Mutter Gottes in Figur der Schwarzen Madonna in der Gnadenkapelle, im Eingangsbereich der Hauptkirche des Klosters, verlagert.
Die Ausstellung im Landesmuseum widmet sich der Geschichte, der Bedeutung, den Verbindungen und Schätzen, und der Wallfahrt zum Kloster. Sie ist in enger Zusammenarbeit mit Einsiedeln entstanden und umfasst gut 300 Exponate. Besonders eindrücklich sind die fast zwanzig gezeigten Roben aus der ,Garderobe‘ der Schwarzen Madonna, die man sonst nicht in dieser Art gleichzeitig sehen kann. Die mit Silber- und Goldstickereien verzierten Prunkgewänder sind in leuchtenden und gedämpften Farben geschneidert, und werden auf die liturgischen Farben und Festtage abgestimmt. Zu dieser festlichen Ausstattung, welche bis zu zwanzig Mal im Jahr gewechselt wird, gehören Zepter, Krone und Schmuck der Madonna. Ebenso wird die Verehrung der Pilger und die Bedeutung der Wallfahrten aufgezeigt. Da Einsiedeln zwischen Bodensee und Genf eine Station des Jakobswegs nach Santiago de Compostela darstellt, sind vielfältige Talismane der Pilger zu sehen, mit denen sich diese gegen Unbill auf den gefährlichen Reisen schützten, und Memorabilia, die die Pilger zur Erinnerung nach Hause mitnahmen. Oder die Votivgaben, die als Dank für den Schutz und die Heilung dem Kloster und der Madonna dargebracht wurden. Aufschlussreich auch die Erläuterung der historischen und politisch-religiösen Verbindungen zu Zürich, den Herrschaftshäusern Habsburg, Hohenzollern, Südbaden und Bayern, welche mit funkelnden Prunkgefässen und Monstranzen belegt sind. Auch das aus 133 Teilen bestehende Einsiedler Porzellan-Tafelservice der damaligen Manufaktur Kilchberg-Schooren bei Zürich aus dem Jahre 1775 ist zu sehen, welches sonst im Zunfthaus zur Meisen ausgestellt ist. Blütezeiten des Klosters waren das 15. Jahrhundert und die Gegenreformation – Zäsuren bildeten die Reformation und die Plünderung durch französische Soldaten nach der französischen Revolution. Am besten, man verbindet den Besuch der Ausstellung im Landesmuseum mit einem Besuch von Einsiedeln selber! So kann man die herrliche Barockanlage mit dem zwölfarmigen Marienbrunnen davor, und im Innern der Kirche die farbigen und weihnächtlichen Fresken bestaunen!
Zürich 3.12.17

Auch zu sehen

FRANZÖSISCHE KUNST

-28.1.18
Zürich, Kunsthaus www.kunsthaus.ch

BESTANDESAUFNAHME GURLITT ,Entartete Kunst‘ – Beschlagnahmt und verkauft

-11.3.18
Bern, Kunstmuseum www.kunstmuseumbern.ch in Kooperation mit der Bundeskunsthalle Bonn

PAUL KLEE. Die abstrakte Dimension

-21.1.18
Riehen, Fondation Beyeler www.fondationbeyeler.ch

PAUL KLEE. Klee im Krieg

-03.6.18
Bern, Zentrum Paul Klee www.zpk.ch

AI WEIWEI D’Ailleurs c’est toujours les autres

-28.1.18
Lausanne, Musée cantonal des Beaux-Arts und Palais de Rumine www.mcba.ch

FILME

Ai Weiwei, Human Flow‘, 2017, Dokumentarfilm

Bitte überprüfen Sie die Ausstellungsdaten.

© Dagmar Huguenin 18.12.2017