ROSEN UND ROSINEN · Juli 2018

Wie finanzieren Künstler und Künstlerinnen ihr Studium oder ihre Arbeit? Zu hören und sehen im Kunstmuseum Olten.
Projekt mit 8 Videoessays von RELAX.

ARBEIT in Olten
ETEL ADNAN in Bern
TUSCHMALEREI in Interlaken
ZUR VERTIEFUNG von Kunstvorträgen

DAS LEBEN IST KEIN PONYHOF! Arbeit(en) als Thema in der bildenden Kunst

-19.August 2018

Olten, Kunstmuseum www.kunstmuseumolten.ch
Das 100-Jahr-Jubiläum des Schweizerischen Landesstreiks von 1918, welcher wegen der bitteren Not der Arbeiterschaft nach dem ersten Weltkrieg im November stattfand, nehmen die Direktorin Dorothee Messmer und Kuratorin Katja Herlach zum Anlass, den Topos Arbeit an sich, aber auch Kunst als Arbeit oder Arbeit an der Kunst zu durchdenken. Denn Kreativität ist auch mit harter Arbeit verbunden und fordert psychische und körperliche Kraft. Die Arbeit mit der Kunst hat aber auch eine ökonomische Dimension: künstlerische Ausbildungen und kreative Arbeit wollen finanziert sein. Wie finanziert sich also die ,Ich-AG‘ des Künstlers und welche Quersubventionierungen erschaffen sich die Künstler während der Durststrecke des Studiums oder zu Beginn einer schwierigen Karriere?  Acht Videoessays mit dem Titel to job+to study: what artists do for money. geben Auskunft.  Die Sprechenden sind AbgängerInnen der Schule für Kunst und Design in Zürich einerseits, und der Kunstschule HEAD in Genf andrerseits.  Dabei handelt es sich um ein Projekt des Künstlerteams RELAX. Besonders interessant sind die Reflexionen im Video Shortcuts, 2016, von der Künstlerin Judith Weidmann, zu verschiedenen Entlöhnungssystemen, der Relativität von Leistungserfassung und der Unmessbarkeit des Werts von Arbeit (und von Kunst erst recht).
Weitere Kunstwerke in der vielgestaltigen Ausstellung mit Skizzen, Gemälden, Fotografien, Videos und Installationen zeigen Aspekte der Qualität der Arbeit an sich auf – wie deren Abwechslungsreichtum oder Monotonie. Ist Arbeit identitätsbildend oder nur Mittel zum Zweck? Arbeitsformen, wie die der Akkordarbeit oder andere Arbeitsabläufe werden auf alten Fotografien der Unternehmen Von Roll AG in Gerlafingen oder der damaligen Papierfabrik in Biberist illustriert. Wie entwickelt sich die Arbeitswelt mit dem damaligen Schwergewicht der Produktion, zur Dienstleistungsgesellschaft und schliesslich hin zu Automatisierung und Digitalisierung?
Auch die Demütigungen und Einsamkeit der Gastarbeiter, die damals bei der Einreise in die Schweiz die Grenzsanität von Brig passieren mussten, sind in Appunti del passaggio (von Maria Iorio und Raphael Cuomo, 2014-16) angedeutet. Die Arbeitsbeschaffung von Asylbewerbern und deren Begleitung findet Ausdruck in einer fotografischen Porträtserie von 43 Menschen, die sich ehrenamtlich im Asylbereich engagieren (von Christine und Irene Hohenbüchler, 2016/17).
Der Künstler Simon Krebs karikiert in einer Folge von Zeichnungen in der Arbeit Was TUN? die fruchtlosen Bewerbungen von Künstlern für Ausstellungen oder bei Galerien, den Unmut über offene Antworten oder fehlende Begründungen zum eingereichten Portfolio, mit der schliesslichen Abweisung durch Juryentscheide – eine bitter-ironische Bestandesaufnahme vom Kunstbetrieb. Der Titel der Ausstellung Das Leben ist kein Ponyhof! ist übrigens ein Ausspruch des deutschen Sängers und Musikproduzenten Dieter Bohlen.
Olten 17.Juni 18

ETEL ADNAN

-7.Oktober 2018

Bern, Zentrum Paul Klee www.zpk.org
Viele Bilder von Etel Adnan sind Kleinformate.  Kostbar in ihrer Farbigkeit, Schlichtheit und der flächigen Abstraktion. Die multikulturelle Künstlerin, Schriftstellerin, Poetin, Philosophin und Journalistin, ist mittlerweile über 90 Jahre jung. Sie wurde 1925 in Beirut geboren, als Tochter einer griechisch-christlichen Mutter und eines syrisch-muslimischen Vaters. Die Eltern mussten aus politischen Gründen in den Libanon fliehen. Die spätere Lebensreise führte die Künstlerin in den 1950er Jahren zu Studien nach Paris und Berkeley, dann nach Mexiko. Schliesslich wurde sie Dozentin an einem College in Kalifornien, und zog nach Sausalito nördlich von San Francisco.
Etel Adnan entdeckte Paul Klee, als dessen Tagebücher 1964 schliesslich auf Englisch erschienen sind, und sie wurde regelrecht von einem ,coup de foudre‘ für dessen Bildsprache erfasst. Der künstlerische Dialog mit Klees Werk – welches wie ihr eigenes Werk die Linie, geometrische Formen wie Dreieck, Kreis und Quadrat, aber auch die Kalligraphie betont – wird in der Ausstellung im Zentrum Paul Klee fortlaufend offen gelegt und sichtbar. Ihre Leporellos (gefalzte Bücher bestehend aus langen Papierstreifen), die häufig an Musikpartituren erinnern, sind am East River in New York entstanden. Und dann an der Westküste, am langjährigen Wohnort in Marin County. Der Hausberg Mount Tamalpais, den sie auf Gemälden im Lauf der Tages- und Jahreszeiten, aber auch aufgeladen mit inneren Stimmungen immer wieder neu thematisiert, erinnert an Klees Niesen am Thunersee in dessen geometrischer und abstrakter Formgebung. Ihre Beziehung zum Berg Mount Tamalpais wird so stark, dass sie darüber sagt: ,The mountain became my house‘.
Im Unterschied zu Klee beschäftigt sich Etel Adnan auf ihren Bildern nicht mit Menschen, Wesenheiten oder Tieren – ihr Interesse gilt ausschliesslich der abstrahierten flächigen Landschaft, dem Himmel, den Gestirnen und eben der glühenden Farbe. Nebst dem Dialog mit Paul Klee sind in Bern auch mehrere grosse Tapisserien der kleinen Werke zu sehen. Die pastose Qualität des Farbauftrags, das Licht und Leuchten ihrer kleinen Gemälde sind wunderbar auch in den grossen Geweben auszumachen.
Den Durchbruch im Kunstbetrieb machte die Künstlerin übrigens erst vor sechs Jahren 2012, an der dOCUMENTA 13. Obwohl ihre Schriften in politischen, literarischen und feministischen Kreisen bereits seit einem halben Jahrhundert bekannt waren.  Vor drei Jahren konnte man das Werk der Künstlerin bereits im Haus Konstruktiv in Zürich entdecken und bewundern. Die Ausstellung im Kontext von Paul Klee, wird von einem Film begleitet, der in der Wohnung von Etel Adnan, an ihrem jetzigen Wohnsitz Paris aufgenommen wurde.  Denn die Künstlerin ist 2012 wieder nach Europa, nach Paris, zurückgekehrt.
Bern 23.Juni 18

CHANGING IMPRESSIONS

-7.Oktober 2018

Interlaken, Kunsthaus www.kunsthausinterlaken.ch
Vier chinesische Tuschmaler wurden im Sommer 2017 vom Kunsthaus Interlaken und der Firma Caran d’Ache Genf in die Schweiz eingeladen. Zehn Tage verbrachten die Künstler und Professoren im Dorf Habkern, nah von Interlaken. Traditionelle Motive der chinesischen Tuschmalerei wie Bäume, Berge, Steine und Wolken gibt es schliesslich auch in der Schweiz!  So haben sie während ihre Aufenthalts Impressionen des Berner Oberlands und einige wenige der Berner Altstadt in Tuschmalerei festgehalten. Ihre Entdeckungen und Streifzüge betiteln sie mit Besichtigungstouren in der Schweiz (Xu Gang), Eine Reihe von Interlaken Skizzen (Liang Yu), Der Duft der Blumen in einem fremden Land (Liu Yi) und Skizzen-Arbeit in der Schweiz (Zou Jingxin). Auf Reispapier wurden Bauernhäuser, Scheunen, Felsbrocken und Felswände, verwitterte Bäume, Wälder, Wege und Blumen abgebildet. Links am Rand jeweils senkrecht chinesische Schriftzeichen als Titel, darunter oder anderorts auf dem Blatt rote Stempel als Signaturen.
Die kuriose Ausstellung mit Tuschmalerei von Schweizer Sujets wird ergänzt durch die Kunstsammlung des Interlakner Lehrers Dr. Walter Rieder, der 1930-52 in China lebte. Sie umfasst Porzellangeschirr, Vasen, Bronzespiegel, Götterstatuen, eine Sammlung von Teekännchen aus Zinn, und kunstvolle ,Snuff Bottles‘ aus Jade und anderen Materialien. Alte Tuschsteine, Pinselhalter, sonstige Schreibutensilien und Siegel aus dessen Sammlung dürfen natürlich in einer solchen Ausstellung auch nicht fehlen!
Interlaken 23. Juni 18

ZUR VERTIEFUNG von Kunstvorträgen über Künstlerinnen

In Winterthur ist die Ausstellung Räume besetzen. Werke von Bildhauerinnen (Kunst Museum Winterthur, -12. August 2018) mit Arbeiten von Germaine Richier (1902-1959), der Winterthurerin Margrit Gsell-Heer (1887-1967), Meret Oppenheim (1913-1985), Heidi Bucher (1926-1993), Marisa Merz (*1926), Isa Genzken (*1948), Ruth Vollmer (1903-1982), und Rita McBride (*1960) zu sehen.

In Aarau werden in der Ausstellung Nested Werke der luxemburgischen Künstlerin Su-Mei Tse gezeigt (Aargauer Kunsthaus, -12. August 2018).

In Solothurn ist die Ausstellung Derborence Malerei und Zeichnung, der Solothurner Künstlerin Elisabeth Strässle, (Kunstmuseum, -22. Juli 2018) zu sehen.

In St. Gallen wird eine Ausstellung über die Österreicherin Maria Lassnig Be-ziehungen (Kunstmuseum, bis 23. September 2018) gezeigt.

 In Basel gibt es ebenso eine Ausstellung über Maria Lassnig (1919-2014) mit dem Titel Maria Lassnig – Zwiegespräche (Kunstmuseum Neubau, bis 26. August 2018) zu sehen, und über die Künstlerinnen Martha Rosler/Hito Steyerl mit der Ausstellung War Games (Museum für Gegenwartskunst, bis 2.Dezember 2018).

Bitte überprüfen Sie die Ausstellungsdaten.

© Dagmar Huguenin 29.06.2018