ROSEN UND ROSINEN · Juni 2017

Kasimir Malewitsch
Dynamischer Suprematismus Nr. 57, 1916
Sammlung Ludwig, Köln

100 JAHRE RUSSISCHE REVOLUTION
in Bern und Zürich
ROBERT INDIANA in Locarno
57. BIENNALE VENEDIG – eine Hommage an Alberto Giacometti

VON MALEWITSCH BIS JUDD

09.07.17
Bern, Zentrum Paul Klee www.zpk.org
Schon vor der Russischen Revolution, im Jahre 1915, schuf der Künstler Kasimir Malewitsch mit dem schwarzen Quadrat die ,Ikone des 20. Jahrhunderts‘. Auf weissem Grund bildete Malewitsch schwebende geometrische Formen ab – neben dem Quadrat, auch ein Kreis oder Kreuz, Rechtecke und Dreiecke, und nannte diese Sichtweise ,Suprematismus‘.
Nach der Russischen Revolution 1917 wurde die Kunst erst recht politisch befeuert und gesellschaftlich breit integriert. Neben Malewitsch schufen die Künstler Tatlin, Rodtschenko und El Lissitzky neue Sprachen für die Malerei, die Skulptur, Räume, Architektur und für die Fotografie. Tatlin schuf aus Seilen und Metallteilen ,Eck-Konterreliefs‘ – die Skulpturen standen nicht mehr am Boden, sondern schwebten über die Raumecke, verbunden mit angespannten Seilen. Rodtschenko befestigte räumliche Körper an der Decke, und machte Fotografien aus unerwarteter Perspektive. Weibliche Künstlerinnen waren mit einem Schlag gleichberechtigt, und bauten ebenso an der Utopie einer neuen Gesellschaft mit. Die angewandten Künste wie Stoffentwürfe oder Zuschnitte für Arbeitskleidung, Graphik, Plakatkunst und Collage, Porzellan und Architekturmodelle erfuhren einen gewaltigen Schub. Bis zum Tode Lenins 1924 lebten die Künstler ein Feuerwerk an Kreativität und schöpferischer Lust!

Die Ausstellung im Zentrum Paul Klee geht zeitlich und politisch also von der Russischen Avantgarde aus, und zeigt den Einfluss des Suprematismus und des Konstruktivismus auf die Weiterentwicklung der Künste. Es werden die verschiedenen Länder in Europa, den USA und in Südamerika abgedeckt, und diesbezüglich bis hin zur Gegenwart erforscht.

Ein komplexes, ehrgeiziges und anregendes kunstgeschichtliches Unterfangen!
Teil 2 der Doppelschau zur Russischen Revolution und der Kunst danach, ist im Kunstmuseum Bern www.kunstmuseumbern.ch in der Ausstellung Von Deineka bis Bartana zu sehen. Dort nun das Gegenstück zur radikalen Abstraktion: mit Stalins Machtübernahme hielt der ,Sozialistische Realismus‘ um 1925/1930 Einzug in die Kunstproduktion und die vorherige Avantgarde wurde geopfert. Stalin erzwang von den Künstlern von nun an figurative Sichtweisen, die Propagandazwecken zu dienen und die russische Utopie zu beschönigen hatten. Die Avantgarde verlor ihren Atem und Impetus. Nach der Auflösung der Sowjetmacht schufen die KünstlerInnen Kunstwerke mit kritischen und subversiven, satirischen Inhalten.
Bern 25.Mai 2017

1917 REVOLUTION Russland und die Schweiz

25.6.17
Zürich, Landesmuseum, www.landesmuseum.ch
Wenn Sie das Phänomen der Russischen Revolution auch historisch nachvollziehen wollen, gibt Ihnen das Landesmuseum ausgiebig Gelegenheit dazu. Dort geht es um die Geschichte des Zarenreichs, Revolutionen vor der ,Russischen Revolution‘, Hungersnöte, die Revolution, und die Schrecken danach. Auch das Kunstschaffen ist in die Ausstellung integriert, wie etwa die Goldschmiede-Manufaktur von Peter Carl Fabergé, der für die Zarenfamilie emaillierte mit Edelsteinen besetzte Ostereier herstellte, bzw. es werden in beschränktem Rahmen Exponate der Russischen Avantgarde gezeigt. Im Mittelpunkt steht die Wechselbeziehung von Russland zur Schweiz: Lenin in der Schweiz, in den Bibliotheken von Zürich, Bern und Genf, und an der Spiegelgasse 14 in Zürich, von wo aus er die Russische Revolution plante. Und es geht um Schweizer in Verbindung mit Lenin, wie z. B. um den Sozialisten Robert Grimm. Viele unbekannte Aspekte werden aufgezeigt, in der didaktisch mit Filmausschnitten und erweiternden Texten angereicherten, spannenden historischen Schau!
Zürich 9. Mai 2017

ROBERT INDIANA

-13.8.17
Locarno, Pinacoteca Comunale Casa Rusca www.museocasarusca.ch
Einer der wenigen noch lebenden Künstler der Pop Art wird mit der Einzelausstellung in Locarno vorgestellt: Robert Indiana (*1928 in New Castle, Indiana). Der auf einer Insel in Maine lebende 89-jährige Künstler liebt Zahlen, Buchstaben, Schablonen, Reklame und Farben. Sein bekanntestes Werk ist die Skulptur und Ikone der Pop Art mit den vier Lettern LOVE in den Farben Blau-Rot-Grün, 1966 – ein Schriftzug, der von New York bis Tokio zu sehen ist!
Locarno 12. Mai 2017

57. BIENNALE ,VIVA ARTE VIVA’ VENEDIG

-26.11.17
www.labiennale.org
Kunstwerke von 120 Künstlern aus 51 Ländern sind bis November in der Hauptausstellung und in 80 Pavillons in den Giardini, im Arsenale, in Palazzi und Kirchen, und an vielen andern Orten in Venedig zu sehen. Die Ausstellung im Schweizer Pavillon ,Women of Venice‘ wurde von Philipp Kaiser kuratiert. Mit Arbeiten der KünstlerInnen Carol Bove und Teresa Hubbard/Alexander Birchler. Eine Hommage an Alberto Giacometti, dessen Bruder und Architekt Bruno den 1952 eröffneten Schweizer Pavillon gebaut hatte, aber wo Alberto nie ausstellte. Ein nationaler Raster war ihm zu eng, und erst später stellte er im Französischen Pavillon aus. Zu sehen auch die Filminstallation ,Flora‘ von Hubbard/Birchler: eine damalige Liebes-Episode des Künstlers mit der amerikanischen Künstlerin Flora Mayo in Paris.

Bitte überprüfen Sie die Ausstellungsdaten.

© Dagmar Huguenin 30.06.2017