ROSEN UND ROSINEN · März 2018

Julia Gröning, Schrank 1, 2007
© Julia Gröning

SCHRÄNKE in Winterthur
HALLO, NACHBAR in Pfäffikon
BLUMEN in Aarau – Vorschau
KÜNSTLERINNEN und WOMEN

CUPBOARD LOVE. Der Schrank, die Dinge und wir

-22.April 18
Winterthur, Gewerbemuseum www.gewerbemuseum.ch
Während im Vitra-Museum in der Eames-Celebration viele Sessel präsentiert wurden (Rosen und Rosinen Februar 18), widmet sich das Gewerbemuseum in Winterthur dem Schrank. Auf Anhieb denkt man an Kleider-, Vorrats- oder Aktenschränke – auch wenn die letzteren in unserem digitalen Zeitalter bereits überholt sind. Aber Schränke haben auch eine viel geheimnisvollere Seite: sie eignen sich als Versteck für Gegenstände, für Diebe oder Geliebte oder sogar als Rückzugsort zum Träumen, wie im Film Ma vie de Courgette.
Und Schränke besitzen ästhetische Qualitäten. So wird in Winterthur Schrank-Design von grossen verstorbenen und noch lebenden Schweizer Designern gezeigt. Die Klassiker stammen etwa von der Architektin Lux Guyer, die Modulsysteme stapelbarer Schrankelemente entwarf (1927-30), von Willy Guhl, dessen Pavatexschrank aus der Nachkriegszeit (1947) günstig und zerlegbar war, oder von Kurt Thut, dessen eleganter Folienschrank (1994) sich an der Leichtbauweise von Segelflugzeugen orientiert.  Vom Designer-Paar Robert & Trix Haussmann ist der wunderbare mit Spiegeln versehene edle Schrank Seven Codes (1978) mit dem Trompe-L’Oeil eines Faltenwurfs in Holzintarsie zu sehen.
In einer anderen Abteilung der Ausstellung geht es um Rauminstallationen und Objekte der Bildenden Kunst: hier werden Schränke und Schäfte zersägt, gekippt und erweitert, wie vom österreichischen Künstler Erwin Wurm die herrliche rosafarbene Arbeit Punschkrapferl 2011. Dieser gekippte Kasten ist auch mit Sitzfläche und Spirituosen im Glasfach versehen.  Von Roman Signer  stammt die Arbeit Hose – Sand rieselt von oben durch einen Eimer und Rohre auf den Schrankboden und die entstandenen Sandhaufen erinnern an die Sanduhr. Vom griechischen Arte Povera-Künstler Jannis Kounellis, der im letzten Jahr verstorben ist, stammt die Arbeit Porta murata con pietre, un armadio 1969-82 – ein Kasten mit geöffneten Flügeln, der mit einer an Trockenmauern erinnernden Steinwand aufgefüllt ist.
Viele Filmausschnitte ergänzen die Ausstellung – allen voran Roman Polanskis Zwei Männer und ein Schrank. Einfach spannend!
Winterthur 24.2.18

HALLO, NACHBAR! Der tägliche Tanz und Nähe und Distanz

– 25.März 18
Pfäffikon, Voegele Kultur Zentrum  www.voegelekultur.ch
Nachbarschaften sind eine Chance mit viel Potential.  Sie sind eine meist schicksalshafte Fügung, und bedeuten schlimmstenfalls aber auch viel Ungemach.  Das Voegele Kulturzentrum in Pfäffikon stellt mit Kunstwerken, Zitaten aus Literatur, städteplanerischen Modellen von Architekten, Tonbeispielen, Filmausschnitten und viel Interaktion eine farbige Collage von diesem fruchtbaren, empfindlichen oder unberechenbaren Verhältnis zusammen. Seit einigen Jahren schon hat sich in Pfäffikon der Fokus auf multidisziplinäre, gesellschaftsrelevante und erfrischend vielseitige Ausstellungen verlagert. Vor der jetzigen Ausstellung waren die einzelnen  Ausstellungsthemen etwa die Zeit, Scheitern, Identität, Visionen, die digitale Welt.  In diesen auch psychologisch befrachteten Ausstellungen erfährt man viel Neues von anderen Zeitgenossen, kommt zu neuen Erkenntnissen über die Gesellschaft und überprüft gleichzeitig seine eigenen Daseinsverhältnisse.
Zu Beginn der Ausstellung wird man mit ein paar Präparaten vom Stachelschwein überrascht: diese illustrieren Arthur Schopenhauers Gleichnis menschlicher Beziehungen: je nach Abstand bewirken die Tiere Wärme oder eben auch Verletzungen.  Ein Worst-Case-Szenario hat der Künstler Stefan Banz in seinem satirischen Video Door to Door 1997 festgehalten: wegen einem erzürnten Nachbarn geht es im Garten eines Reihenhauses beinahe um Leben und Tod. Beschimpfungen, Invasion und Handgreiflichkeiten durch den Nachbarn entwickeln eine Eigendynamik, so dass das private Glück in Kürze aus den Fugen gerät. Und nach den wenigen Minuten des Aufeinanderprallens zwischen den Nachbarn ist man auch als Zuschauer völlig erschöpft!
Die positiven Seiten von Nachbarschaft sind: in Abwesenheit Zeitungen holen, Haustiere füttern, Pflanzen giessen. Und bei Anwesenheit mit fehlenden Nahrungsmitteln aushelfen oder bei etwas Zeit sogar mal einen Schwatz auf dem Flur abhalten, diesen zum Kaffee oder Essen erweitern. In der Ausstellung wird zudem die Nachbarschaftshilfe erwähnt, mit entsprechenden Adressen von Institutionen aus der Umgebung von Pfäffikon. Nachbarschaftshilfe besteht aus dem Tausch von Skills unter Nachbarn – je nach persönlichem gegenseitigen Bedarf oder individueller Eignung. Oder der Entwurf von Zeitmodellen verrechnet mit einem Bonus-System erbrachte Leistungen am Nachbarn.
Vom Künstler Jules Spinatsch wird die ,Lichtkommunikation‘ zur Weihnachtszeit an Fenstern und Balkonen mit Bildprojektionen aus verschiedenen Städten und Ländern fest gehalten. Bei den akustischen Kostproben der Ausstellung gibt es Türklingeln mit verschiedensten Klingelappellen, die man auszulösen kann. Der Zürcher Klangkünstler Andres Bosshard konserviert in einem akkustischen Klangteppich den Puls der Stadt Zürich.  Und auch filmische Beispiele gibt es genug zum nachbarschaftlichen Verhältnis: allen voran natürlich Hitchcocks Rear Window.
Interessant weitergedacht sind Nachbarschaften im Zug, Flugzeug oder im Park, wo sich manch nettes spontanes Gespräch ergeben kann. Oder umgekehrt: die Nachbarn verschwinden unter Kopfhörern und verschanzen sich hinter dem Laptop. Dafür sind sie lautlos.
Ein Sprichwort, das in Pfäffikon notiert ist, besagt: Good fences make good neighbors. Das klingt nach Humor und Lebensweisheit in einem!  Aber man kann diese Botschaft auch politisch ins Gegenteil wenden: so betitelte der chinesische Künstler Ai Weiwei im Herbst 2017 seine Ausstellung in New York damit. An fünf verschiedenen Orten der Stadt installierte er seine Kunstwerke. Eines davon war am Südende des Central Parks installiert worden, wenige Blöcke vom Trump-Tower entfernt…
Pfäffikon 24.2.18

BLUMEN FÜR DIE KUNST

6.März 2018 – 11.März 2018
Aarau, Aargauer Kunsthaus www.flowers-to-arts.ch
Zum Frühlingserwachen die jährliche blumige kunstvolle Ausstellung in Aarau mit nur einwöchiger Dauer … nicht verpassen!

KÜNSTLERINNEN UND WOMEN

Für TeilnehmerInnen meiner VORTRÄGE ÜBER KÜNSTLERINNEN sind gegenwärtig in München und Mailand Ausstellungen über die Künstlerinnen Gabriele Münter und Frida Kahlo zu sehen (genaue Angaben ,Rosen und Rosinen‘ Februar 2018).

In Winterthur ist die Ausstellung WOMEN – Frauenbilder durch Jahrhunderte im Kunstmuseum Reinhart am Stadtgarten eröffnet worden. Die Ausstellung dauert bis zum 17. Juni 2018 und untersucht die Darstellung der Frau in der Kunst. www.kmw.ch

 

Bitte überprüfen Sie die Ausstellungsdaten.

© Dagmar Huguenin 01.03.2018