ROSEN UND ROSINEN · Mai 2018

Der grosse Garten und das Schloss Prangins bei Nyon

INDIENNES in Prangins
TOUCHDOWN in Bern
VISIONÄRE SACHLICHKEIT in Zürich
ZUR VERTIEFUNG von Kunstvorträgen

INDIENNES. Un tissu révolutionne le monde!

-14.Oktober 18
Prangins bei Nyon, Château de Prangins, Schweizerisches Nationalmuseum www.chateaudeprangins.ch
Vor zwanzig Jahren wurde das Schloss Prangins als Westschweizer Sitz des Schweizerischen Nationalmuseums eröffnet. Zum Museum gehören nicht nur die barocken Räumlichkeiten des 1723 erbauten Schlosses, welches mit splendider Aussicht auf einer Anhöhe über dem Genfersee thront, sondern auch ein herrlicher grosser Garten. Dieser besteht aus einer Fülle von seltenen Frucht- und Gemüsesorten, aus Heilpflanzen, Gewürzen, Zier- und Nutzpflanzen. Die Artenvielfalt wird durch den Erhalt von alten Sorten gewährleistet, und es wird biologisch angebaut. Die Beete sind in Kreuzform angelegt und mit Buchsbaum eingefasst. Auch die Bezeichnung der Pflanzen auf verschiedenen sprachlichen und inhaltlichen Ebenen ist optimal gewährleistet. In seiner Vielfalt spiegelt der Garten die allgemeine Begeisterung der Aufklärung für das Reisen und die Wissenschaften, und er ist eine grosse, lehrreiche Sinnesfreude!
Vor einer Woche wurde im Schloss Prangins eine neue Wechselausstellung eröffnet. Anlass zur Ausstellung ist der Ankauf des Schweizer Nationalmuseums einer aus 150 Textil-Exponaten bestehenden Sammlung von einem französischen Spezialisten. Diese Indiennes (Baumwollgewebe) aus dem 17. und 18.Jahrhundert werden nun der Öffentlichkeit präsentiert.
Die Indiennes lösten damals eine regelrechte Mode auf den verschiedenen Kontinenten aus. Das neue Material bot viele Vorteile gegenüber der Wolle, die kratzte; der Seide, die zu wenig wärmte oder Leinen gegenüber. Auch war die Baumwolle nicht mehr nur der Oberschicht vorbehalten, sondern wurde zu einem demokratisch erschwinglichen Gut. Die Entwürfe und Drucke, die Herstellung der haltbaren und lichtechten Farbmischungen und die Produktion dieser Indiennes, wurde von aus Frankreich eingewanderten Hugenotten vorgenommen. Zentren dafür bildeten sich in Genf, Neuchâtel, Basel und Mühlhausen. Oder die Fabrikanten exportierten ihr Know-How in andere Länder wie z.B. nach Frankreich. Aufgrund der grossen Nachfrage entstand für die Schweiz eine bedeutsame Industrie, welche nicht nur dem Bekleidungsbereich, sondern auch der Innendekoration diente. Neben den wirtschaftsgeschichtlichen Aspekten der Indiennes werden in der Ausstellung auch die vielfältigen Motive aufgeschlüsselt. Die dekorativen Sujets in verschiedenen Farben reichen von mythologischen Motiven, zu Literatur und Oper, zu Darstellungen von Architektur, zu politischen Illustrationen hin oder beziehen sich auf geistesgeschichtliche oder politische Leitfiguren wie Jean-Jacques Rousseau, Jacques Necker oder sogar Wilhelm Tell.
Im Frühherbst, am Samstag, 29. September 18 feiert das Schloss Prangins seinen zwanzigsten Geburtstag: mit einer aus 50‘000 Kerzen bestehenden Installation ,Fleurs de Feu‘.
Prangins 21.4.18

TOUCHDOWN. Eine Ausstellung mit und über Menschen mit Down-Syndrom

-13.Mai 18
Bern, Zentrum Paul Klee  www.zpk.org
Die ganz andere Ausstellung in Bern ist äusserst bewegend. Sie wurde von Menschen mit und ohne Down-Syndrom gemacht und zeigt die Geschichte und Gegenwart von Menschen mit Trisomie 21. In den verschiedenen Ländern und zu unterschiedlichen Zeiten. Und auch, wie die Gesellschaft damit umgeht. Gedanken-Protokolle ermöglichen Einblicke in die Erfahrungen, Hoffnungen und Wünsche von Betroffenen. Die Statements sind frisch, echt und unverstellt. Kritische Punkte für Betroffene sind das Wahlrecht und Vollmachten, oder der Umgang mit Geld. Oder der Wunsch nach Nachkommen. Und die häufige Marginalisierung durch die Gesellschaft, ungerechte Behandlung oder fehlende Wertschätzung. Viele Fragen werden beantwortet, neue Fragen entstehen, es werden Entdeckungen gemacht und breites Verständnis geschaffen. Die Ausstellung wurde von der Bundeskunsthalle Bonn erarbeitet, und mit dem Forschungsprojekt ,Touchdown 21‘ verbunden. Ergänzend zur Ausstellung sind aus der Collection de l’Art Brut in Lausanne wunderbare Arbeiten zu sehen, wie vom japanischen Künstler Takashi Shuji, der Amerikanerin Judith Scott oder der Schweizerin Anne-Lise Jeanneret.
Bern 17.3.18

VISIONÄRE SACHLICHKEIT. Magritte, Dietrich, Vallotton

-8.Juli 2018
Zürich, Kunsthaus Zürich www.kunsthaus.ch
Im vergangenen Jahr wurden in Winterthur Bilder der Neuen Sachlichkeit von Schweizer Künstlern in einer aufschlussreichen Ausstellung gezeigt (siehe RosenR Okt. 17).  Und von Adolf Dietrich als einem der Vertreter dieser Epoche, waren Gemälde und Zeichnungen im Herbst in der Kartause Ittingen zu sehen (siehe RosenR November 17). Das Kunsthaus Zürich hat nun eine kleine Ausstellung zum Thema der Neuen Sachlichkeit mit Sammlungswerken eingerichtet. Diese Ausstellung setzt zeitlich früher als die Neue Sachlichkeit an, bezieht Frankreich mit ein, und bezeichnet den Stilbegriff als Visionäre Sachlichkeit.  Wenn man wegen dem  im Titel unter anderem genannten Namen Magritte in die Ausstellung geht, wird man sicherlich enttäuscht – sind doch nur zwei Werke von Magritte zu sehen! Hingegen sieht man zahlreiche Werke von Adolf Dietrich – viele Seeansichten vom Untersee, auch bei Regen, Schnee und Eis, dann von Berlingen, und natürlich Stillleben.  Und es gibt einige Werke von Vallotton. Ein Werk von ihm ist besonders interessant und sonst selten zu sehen: das frühe Gemälde La Malade aus dem Jahre 1892.  Minutiös wird ein Raum mit einer Kranken, welche im Bett nur von hinten zu sehen ist, gezeigt. Neben ihr steht ein Tischchen mit Karaffe, Fläschchen, Wasserglas und Löffel. Dann eine Pflegerin. Wie eindrücklich Vallotton einmal mehr Stimmungen einfängt und wiedergibt. Neben diesem Gemälde hängt unerwartet, zum selben Thema ein grossartiges Gemälde von Degas mit einem äusserst abstrakten, verwischten, wunderbaren malerischen Vordergrund.
Neu entdecken kann man Künstler der französischen naiven Maler, wie André Bauchant (1873-1958), den Le Corbusier 1921 entdeckt hatte, von ihm Werke kaufte und sich mit ihm befreundete. Oder den hier eher unbekannten zehn Jahre jüngeren Camille Bombois (1883-1970). Dieser verdingte sich in frühen Jahren als Knecht, Hilfskraft oder Jahrmarkt-Ringer. Mit 20 Jahren kam er nach Paris und im Laufe der Zeit begann er zu malen.  Zum guten Glück!  Sein Werk wurde in der Folge mit Henri Rousseau verglichen. Später war Bombois Teilnehmer der ersten Documenta in Kassel.  Die amerikanische Grand Lady der naiven Malerei, Grandma Moses (1860-1961), die erst mit 75 Jahren zu malen begann, über hundert Jahre alt wurde und in den USA über alles verehrt wird, ist mit einer beschaulichen Winterlandschaft mit Farm, Bauern, Tieren und Pferdefuhrwerk im hübschen Schlusskabinett der Ausstellung präsent.
Zürich 4.4.18

ZUR VERTIEFUNG

In Paris im edlen Musée Jacquemart-André ist bis 23.Juli 18 eine Ausstellung über die amerikanische Impressionistin Mary Cassatt zu sehen. Die Ausstellung ist für ZuhörerInnen des Kunstvortrags über Künstlerinnen des Impressionismus in der Reihe zu Künstlerinnen besonders geeignet.
Am Wochenende wurde in der Fondation Beyeler die Ausstellung Bacon-Giacometti (bis 2. September 18) eröffnet. Sie eignet sich zur Vertiefung der Kunstvorträge über Die Familie der Giacomettis oder über Alberto Giacometti. Die Ausstellung konzentriert sich auf die existenzialistische Sicht der beiden Künstler.

Bitte überprüfen Sie die Ausstellungsdaten.

© Dagmar Huguenin 30.04.2018