ROSEN UND ROSINEN · Oktober 2017

Adolph Gottlieb (1903-74) The Seer, 1950, Öl auf Leinwand, Phillips Collection Washington,
Copy Right Adolph and Esther Gottlieb Foundation/2017 Pro Litteris, Zürich

AMERIKANISCHE KUNST und PAUL KLEE, Bern
NEUE SACHLICHKEIT IN DER SCHWEIZ, Winterthur
DER FRÜHE CHAGALL, Basel

10 AMERICANS. After Paul Klee

-7.1.18
Bern, Zentrum Paul Klee www.zpk.org
Paul Klees Imagination bildet einen so reichen Fundus, dass Verbindungen zu vielen Kulturen von und zu ihm hin führen! Nach den erhellenden Ausstellungen Paul Klee und der ferne Osten – Vom Japonismus zu Zen, 2013, und Auf der Suche nach dem Orient. Teppich der Erinnerung, 2009, wird diesmal Klees Einfluss auf den Westen, nämlich auf die US-Künstler Mitte des 20. Jahrhunderts untersucht.
Klee betrachtete Zeichnen als eine Form von Schreiben. Dementsprechend werden in den amerikanischen Werken graphische Aspekte in Verwandtschaft und als Erbe von Klee aufgezeigt. Zu den 10 ausgestellten amerikanischen Künstlern gehören so berühmte Namen wie die beiden abstrakten Expressionisten Jackson Pollock und Robert Motherwell oder wie der geheimnisvolle, kalligraphische Mark Tobey mit seinen dicht gewobenen Zeichenteppichen. Man kann auch Adolph Gottlieb (Bild oben), dem Farbfeld-Maler Kenneth Noland, oder dem Künstler Bradley Walker Tomlin begegnen. Diesen konnte man bereits vor einem Jahr in der Ausstellung über die Künstlerin Sonja Sekula in Luzern sehen.
Wertvoll an der Ausstellung ist ebenso die Erarbeitung der Ursachen des ,Klee Booms‘ ab den 1930er Jahren in den USA. Zu dieser Rekonstruktion und Chronologie gehören die Erwähnung der Mentorin Galka Scheyer und die Porträts der drei in die USA emigrierten deutschen Galeristen und Kunsthändler I.B.Neumann, Karl Nierendorf, und Curt Valentin. Sie alle trugen entscheidend zur Verbreitung von Paul Klees Werk in den USA bei: mit Überzeugungsarbeit, Ausstellungen, Katalogen, Medien, der Vermittlung von Klee-Ausstellungen an Museen und schliesslich dem Verkauf an Sammler und Museen. Aber auch Lehrpersönlichkeiten wie Josef und Anni Albers vom ehemaligen Bauhaus Weimar/Dessau/Berlin machten am Black Mountain College – einer damals wichtigen amerikanischen Kunstschule in North Carolina – die Studenten mit Klees Werk bekannt. Die Ausstellung in Bern bietet erneut eine willkommene Gelegenheit, amerikanische Künstler in der Schweiz zu sehen. Nach der herrlichen Sammlungspräsentation Calder to Kelly im Kunstmuseum Winterthur diesen Sommer! Die Ausstellung im Zentrum Paul Klee ist in Zusammenarbeit mit der Phillips Collection entstanden. Sie wird ab 3. Februar 18 in Washington D.C. zu sehen sein.
Bern 10.9.17

NEU.SACHLICH.SCHWEIZ. Malerei der Neuen Sachlichkeit in der Schweiz.

-14.1.18
Winterthur, Museum Oskar Reinhart www.museumoskarreinhart.ch
Die zwischen den zwei Weltkriegen in Deutschland und der Schweiz entstandene Kunstbewegung der Neuen Sachlichkeit zeichnet sich durch fotografische Präzision und Ordnung aus. Aber der Schein trügt: bestimmte Bilder entfachen regelrechte psychologische Stürme oder erzeugen wiederum eine zeitlose Magie. Während die deutschen Vertreter wie Otto Dix oder George Grosz mit oft beissenden, zeitkritischen Werken in den grossen deutschen Museen zu sehen sind, hat sich diese Kunstrichtung in der Schweiz ruhiger und inhaltlich ohne offene sozialkritische Haltung entwickelt. Neben den bekannten Schweizer Malern der Neuen Sachlichkeit, wie dem Basler Maler Niklaus Stoecklin (1896-1982) oder dem eigenwilligen Adolf Dietrich (1877-1957) vom Untersee am Bodensee, sind auch Romands wie das Brüderpaar François (1899-1934) und Aimé Barraud (1902-1954) aus La Chaux-de-Fonds ausgestellt. Insgesamt werden 16 Schweizer Künstler dieser Zeit präsentiert. Verantwortet wird die aufschlussreiche Überblicksausstellung vom neuen Direktor Konrad Bitterli, und von Kuratorin Andrea Lutz. Danach wird die Ausstellung in La Chaux-de-Fonds gezeigt.
Winterthur 1.10.17

CHAGALL. Die Jahre des Durchbruchs 1911-1919

-21.1.18
Basel, Kunstmuseum Neubau www.kunstmuseumbasel.ch
1911 reiste Chagall (1887-1985) mit 24 Jahren dank zweier Bilderverkäufe und einem monatlichen Stipendium eines Mäzens nach Paris. Dort besuchte er Kunstakademien und bewunderte in Galerien die Werke von Cézanne, Matisse und Van Gogh. Mit Künstlern wie den Delaunays und Fernand Léger war er befreundet. Zwar blieben seine Kindheitserinnerungen aus dem chassidischen Stettl Witebsk Thema seiner Bilder, aber in Paris modernisierte sich sein Stil durch die Einflüsse der Fauves, des Kubismus und des Orphismus.
Die sorgfältige Ausstellung vom neuen Direktor des Basler Kunstmuseums Josef Helfenstein über die frühen entscheidenden Jahre von Chagall, wird vertieft durch dokumentarische Fotografien von Witebsk und seiner Bevölkerung. Mit Kultgegenständen der jüdischen Religion ist der Hauptraum angereichert, mit den bedeutsamen vier Bildnissen aus den Jahren 1914 und 1915 Der Jude in Grün, in Schwarz-Weiss, und in Rot, und als grosse Sensation mit Der Jude in Hellrot, als Leihgabe des Staatlichen Russischen Museums in St. Petersburg.
Basel 11.10.17