ROSEN UND ROSINEN · April 2017

Fondation de l Hermitage Lausanne © Photo François Berlin

Fondation de l’Hermitage Lausanne © Photo François Berlin

MEISTERWERKE AUS DER SAMMLUNG BÜHRLE in Lausanne
ALDO BAKKER im Design Museum in Lausanne
BERGFOTOGRAFIE im Fotografiemuseum in Lausanne
SPIEGELBILDER IN KUNST UND MEDIZIN in Thun
BILDER DES ALLTAGS in Luzern

MEISTERWERKE AUS DER SAMMLUNG BÜHRLE – Manet, Cézanne, Monet, Van Gogh

-29.10.2017
Lausanne, Fondation de l’Hermitage www.fondation-hermitage.ch
Im Jahre 2020 wird die Sammlung Bührle von Zollikon ins Kunsthaus Zürich transferiert. Ab dann wird sie im neuen Erweiterungsbau von David Chipperfield zu bewundern sein. Die Sammlung des Industriellen Emil Bührle (1890-1965) besteht aus Antiken, mittelalterlichen Plastiken, Gemälden alter Meister, des Impressionismus und der Moderne. Eine Auswahl von Gemälden des Impressionismus und des Nachimpressionismus wird nun bis Ende Oktober in der über Lausanne gelegenen, herrlichen Fondation de l’Hermitage zu sehen sein. Entfernt erinnert die Fondation de l‘Hermitage mit ihren intimen Räumen und dem grossen Park an den damaligen Wohnort des Sammlers Bührle in Zollikon mit dem daneben liegenden Museum, welches bis zum Jahrhundert-Kunstraub 2008 öffentlich zugänglich war. Höhepunkte der in Lausanne gezeigten Werke sind Monets, Mohnfeld bei Vétheuil‘,1879, Renoirs höchst delikates, Bildnis von Irène Cahen (Die kleine Irène)‘ 1880, Van Goghs ,Sämann, 1888, des- sen Bildaufbau sich an japanischen Holzschnitten orientierte, Cézannes ,Knabe mit der roten Weste‘ 1888-90, und Gauguins symbolistisches Werk ,Die Gabe‘ 1902. Und dem grossartigen Manet ist eigens ein Raum gewidmet. Der Ausstellungsbesuch ist eine empfehlenswerte Ergänzung zu meinen vergangenen und kommenden Kunstvorträgen in Brig.

ALDO BAKKER . PAUSE

-30.04.2017
Lausanne, Designmuseum mudac www.mudac.ch
Im neben der Kathedrale Lausanne gelegenen Designmuseum ist jede Ausstellung eine Überraschung und Herausforderung an bisherige ästhetische, funktionelle und materielle Vorstellungen. Die Direktorin Chantal Prod’hom lotet dort seit vielen Jahren unermüdlich neue Fragestellungen zwischen Kunst und Design aus. Ein Unterfangen, gespiesen aus viel Neugierde und Unvoreingenommenheit, Leidenschaft, Phantasie, und immer wieder angereichert mit viel Humor und Witz.
Die jetzige Ausstellung mit Objekten des niederländischen Designers Aldo Bakker (*1971) beeindruckt durch Eleganz, Art und Bearbeitung der exquisiten Materialien und durch unkonventionelle Form- und Sinngebungen. Jede Funktion wird vollkommen neu angedacht – ein Tisch ist eben nicht ein Tisch. Verwirrend, eindrücklich, an- und aufregend!

SANS LIMITE Photographies de montagne

-30.04.2017
Lausanne, Musée de L’Elysée www.elysee.ch
Das Fotomuseum Lausanne – Gegenstück zum Fotomuseum Winterthur, aber um vieles älter – zeigt um die dreihundert Bergfotografien, hauptsächlich aus der eigenen Sammlung. Die Ausstellung um- fasst alle Epochen des etwa zweihundertjährigen jungen Mediums der Fotografie, und untersucht die verschiedenen Zugänge zum Thema der Bergfotografie. Auch zeitgenössische Arbeiten sind gut vertreten. Auf dem Titel der Einladungskarte: die auch in der Swiss Press Photo 16 gezeigte eindrückliche Fotografie des Rhonegletschers vom Schweizer Jacques Pugin (*1954): der bläulich schimmernde, schmelzende Gletscher, verpackt in weisse Leintücher, mit querliegenden Metallleitern, viel Russ und Asche auf dem Schnee – auch ein umweltpolitisches Statement!

Alle drei Ausstellungen Lausanne 8.4.17

Das kantonale Kunstmuseum, das Designmuseum mudac und das Fotomuseum Elysée werden im Jahr 2018 in das neue Museumsquartier beim Bahnhof Lausanne einziehen. Die Museumslandschaft der Schweiz modernisiert und erweitert sich 2018 entscheidend in Lausanne, dann 2020 in Zürich.

MIRROR IMAGES – SPIEGELBILDER IN KUNST UND MEDIZIN

-30.04.2017
Thun, Kunstmuseum www.kunstmuseumthun.ch

Die anspruchsvolle Kunstausstellung in Thun, mit Bildern, Zeichnungen und Fotografien, Objekten, Videoarbeiten und Installationen, an der Schnittfläche zu Neurowissenschaften, Physik, Medizin und Psychologie untersucht Themen wie die Spiegelung in der Erinnerung, die daran gekoppelte Erwartungshaltung, die Erinnerungsfähigkeit an sich, das Imitieren von Verhalten, physikalische Gesetze des Sehens, äusserliche Ähnlichkeiten zwischen Menschen und deren Begegnung, Körperpräsenz, Kommunikation (Sender und Empfänger) in den Medien, und weitere Fragestellungen. Interessant!

Thun 1.4.17

VON FRÜH BIS SPÄT – Bilder des Alltags aus der Sammlung

-26.11.2017
Luzern, Kunstmuseum www.kunstmuseumluzern.ch
In den regelmässigen thematischen Sammlungspräsentationen des Kunstmuseums Luzern werden immer neue Schätze ans Tageslicht gehoben! Sammlungskurator Heinz Stahlhut nimmt den Alltag zum Ausgangspunkt, ordnet nach Stillleben, Menschen und Genregemälden, Stadtansichten, und weiteren Schwerpunkten. Selten gesehen zum Beispiel das Gemälde ,Nell’Osteria‘, 1915 von Giovanni Giacometti – fünf Männer am Tisch mit Pfeife, roten Halstüchern, Karaffe, Rotweinglas, und Spielkarten. Das Tischtuch ebenso rot, Schattenwürfe von Spielkarten, Rücken und Hutkrempen. Die Szene vor einer grün-gelblichen Wand mit Gewölbeansatz, das Bild in den Komplementärfarben rot- hellgrün gehalten. Das Gemälde ,Nell’Osteria‘ erinnert thematisch an ,Die Kartenspieler‘ von Cézanne. Überraschend in der feinsinnigen Ausstellung auch das Gemälde von Vetter Augusto Giacometti, dem grossen Glas- und Farbkünstler, der früh in abstrakten Formen dachte. Das Gemälde ,Bücher‘ 1936, zeigt dicht bestellte Regale, Buchrücken an Buchrücken, in rot, violett, lindengrün, gelb. Ein Teil der Bücher dabei verschattet, und im Vordergrund auf einem Tablar zwei leuchtende Orangen. Noch- mal eine Assoziation an Cézanne’s glühende Sinnlichkeit. Dann der wunderbare und immer noch unterschätzte Luzerner Künstler Hans Emmenegger (1866-1940), mit dem kleinen Gemälde einer ,Blumenschale‘ von 1924. Die senfgelbe, flache Keramikschale mit glasierter Oberfläche, weissem und schwarzem Tupfenmuster, spiegelt das Licht, vor flächigem fein gepinselten weisslichen Hintergrund. Die fotografische Sehweise von Hans Emmenegger erinnert an die anderen grossen Schweizer Maler der Neuen Sachlichkeit, wie an Félix Vallotton, Adolf Dietrich, Niklaus Stöcklin oder an François Barraud aus La Chaux-de-Fonds.
Und weiter zur schwindelerregenden Ausstellung CLAUDIA COMTE – 10 ROOMS, 40 WALLS AND 1059 M2 -18.06.2017, gewagt von Direktorin Fanni Fetzer. Ein abschliessender Blick auf die Schiffe und den Vierwaldstättersee, von den Glasdurchgängen des KKLs aus, vom neuen geschmackvollen Museumskaffee oder von der spektakulären Dachterrasse aus. Alles in allem: atemberaubend!

Luzern 30.3.17

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© Dagmar Huguenin 30.06.2017