ROSEN UND ROSINEN · November 17

Roman Signer, Starker Wind (Agathe Nisple in Appenzeller Tracht), 2017, Projektfoto zum Video Loop, Foto: David Aebi, Copyright Kunstmuseum Solothurn

DIE PRACHT DER TRACHT in Solothurn
JAKOB TUGGENER Fotografien in Winterthur
ADOLF DIETRICH in der Kartause Ittingen

DIE PRACHT DER TRACHT Schweizer Trachten in Kunst und Kunstgewerbe

-7. Janaur 18
Solothurn, Kunstmuseum www.kunstmuseum-so.ch
Als Gauguin in der Bretagne malte oder Segantini in den Bündner Bergen, waren Trachten häufig ganz selbstverständliche Bekleidung der Porträtierten. Das Kunstmuseum Solothurn zeigt nun auf, wie oft und weswegen in der Schweizer Kunst regionale Trachten auf Kunstwerken abgebildet werden: nämlich aus politischen, religiösen, literarischen, sentimentalen, dekorativen, historischen, touristischen und andern Gründen. Aktueller Bezug für dieses Ausstellungsthema sind auch die gegenwärtigen, populären Jodel- und Schwingfeste, Umzüge und ,Stubete‘. Das Kernstück der Ausstellung mit Werken vom späten 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart, ist das monumentale Gemälde Richesse du Soir vom Solothurner Maler Cuno Amiet, aus dem Jahre 1899. Wichtig sind auch die Trachtenzyklen des Luzerner Malers Josef Reinhard (1749-1824), welche im Kunstmuseum Luzern bisweilen zu sehen sind: der Künstler stellte mit systematischem Anspruch auf eine Bestandesaufnahme die Trachten der verschiedenen Schweizer Kantone und Regionen dar. In der Ausstellung werden aber auch Kunsthandwerk wie Haarpfeile, Hauben und sonstiger Schmuck gezeigt, ebenso wie Arbeiten auf Papier, Fotografien, Plakate und Filme. Die Ausstellung schliesst mit Arbeiten zeitgenössischer Künstler wie von Pipilotti Rist, Chantal Michel und einer für die Ausstellung 2017 geschaffenen Arbeit von Roman Signer ab.
Solothurn 10.11.17

JAKOB TUGGENER Maschinenzeit. Fotografien und Filme

-11. Februar 18
Winterthur, Fotostiftung Schweiz www.fotostiftung.ch
Nicht die bekannten Bilder vom Schweizer Fotografen Jakob Tuggener (1904-88) sind diesmal zu sehen – nämlich Aufnahmen von Neujahrsbällen und rauschenden Festen im Palace Hotel St. Moritz -, sondern Aufnahmen aus der Welt der Arbeit und der Industrie. Die Schwerpunkte reichen von der Maschinenfabrik in Oerlikon, zur Textilindustrie im Zürcher Oberland bis zum Kraftwerkbau in den Alpen. Maschinenhallen und Maschinen, Büroräume, stille Winkel, aber auch ArbeiterInnen vom Schmied, dem Laufmädchen bis zum Buchhalter werden gezeigt.  Jakob Tuggener liebte nebst der Welt der Industrie auch die Fortbewegung und das Tempo, wie in der Folge zum Flugmeeting in Dübendorf 1937, in Aufnahmen von Autorennen, Dampfschiffen und Lokomotiven zu sehen ist. Die schwarzweiss Fotografien stammen aus den 30er, 40er und 50er Jahren, die gezeigten Stummfilme reichen bis in die 70er Jahre.  Bei diesen finden sich auch surreale und poetische Themen, wo es um Assoziationen und Stimmung geht. Unter seinen Publikationen ist das 1943 mitten im Zweiten Weltkrieg erschiene Buch Die Fabrik als Meilenstein zu nennen, in dem auch die zerstörerische Dimension der Technik angetönt wird. Mit den Fotografen Werner Bischof, Gotthard Schuh, Walter Läubli und Paul Senn gründete Jakob Tuggener 1951 das Kollegium Schweizerischer Photographen.
Winterthur 17.11.17

ADOLF DIETRICH Mondschein über dem See

-17. Dezember 17
Ittingen, Kunstmuseum Thurgau, Kartause www.kunstmuseum.ch
Die nahe von Frauenfeld gelegene Kartause Ittingen entzückt in ihrer Abgeschiedenheit und Verträumtheit auch im Monat November – wenn statt den vielen Rosenknospen Hagebutten in orange Tönen leuchten. Das Kunstmuseum Thurgau bildet einen Teil der Kartause mit gegenwärtig einer umfassenden Ausstellung des Ostschweizer Künstlers Adolf Dietrich (1877-1957) vom Bodensee. Der Künstler, der allerhand Berufe ausübte, und auch als Taglöhner arbeiten musste, stellte seine unmittelbare Umgebung dar. Ihm nahe Menschen, wie seine Eltern und besonders sein Vater, die Landschaft um Berlingen und den Untersee im Lauf der Jahreszeiten und Tageszeiten, Tiere und Blumen, des Nachbars Garten bildeten seinen Kosmos. Der Künstler besass eine Schmetterlingssammlung, im Hof hielt er Eichhörnchen, um ihre Bewegungen zu beobachten, und ausgestopfte Tiere dienten ihm als Vorbild für seine fast fotografischen Gemälde, die durch ihre Magie dennoch nicht mit Fotografien verwechselt werden können.  Die gut besuchte umfassende  Ausstellung gibt Einblick in noch unbekanntere Werke oder zeigt auch aufschlussreiche frühe Zeichnungen aus der Schulzeit.  Werke von Adolf Dietrich sind gegenwärtig auch im Museum Oskar Reinhart in Winterthur in der Ausstellung über die Neue Sachlichkeit in der Schweiz zu sehen (siehe Rosen und Rosinen Oktober 17).
Ittingen 17.11.17

SEHENSWERTE FILME ZUR KUNST IN KINO UND FERNSEHEN

The Square, von Ruben Östlund, 2017
Maudie, von Aisling Walsh, 2016
Gurlitts Schatten, von Stefan Zucker, 2017
Roman Signer – mein Alphabet, Laurin Merz, 2017

Bitte überprüfen Sie die Ausstellungsdaten.

© Dagmar Huguenin 23.11.2017