ROSEN UND ROSINEN · September 2018

250 Jahre Schweizer Modegeschichte im Historischen und Völkerkundesmuseum St. Gallen

DRESSES und TEXTILIEN in St. Gallen und Riggisberg
FARBEN in Lausanne

DRESSES – 250 Jahre Mode in der Schweiz

-24.Februar 2019

St. Gallen, Historisches und Völkerkundemuseum St. Gallen www.hvmsg.ch
Mode, Stoffe und Textilien, Kleiderschnitte, Möbelbezüge, und modische Artefakte oder Darstellungen von Mode in Malerei, Fotografie und Installation erobern die Schweizer Museen!  Nach der Ausstellung Fashion Drive im Kunsthaus Zürich, die sich vorwiegend auf exzentrische Aspekte der Mode in Kunstwerken konzentrierte, erhält man im Völkerkundemuseum St. Gallen einen anschaulichen Überblick über die Geschichte der Mode, in den letzten 250 Jahren. Die ausgestellten Kleider für Erwachsene und Kinder, durch alle sozialen Schichten und für die verschiedensten Anlässe, belegen den gesellschaftlichen, ästhetischen und technischen Wandel durch die Zeiten. Und es wird auch ein Blick in die Gegenwart und Zukunft geworfen – mit Inspirationen und Entwürfen der Schweizerischen Textilfachschule St. Gallen.
Das Historische und Völkerkundemuseum befindet sich übrigens grad hinter dem Kunstmuseum St. Gallen und lohnt immer einen Besuch – wegen den Wechselausstellungen und der reichen Sammlung!
Und wer noch mehr Stoffe in der Textilstadt St. Gallen sehen möchte – diesmal in Räumen als Teppiche und Vorhänge oder als Bezugsstoffe an Möbeln, kann dies im Textilmuseum St. Gallen tun, in der Ausstellung Die totale Wohnharmonie? Textile Konzepte 1970-1990 (bis 30.9.2018).
St. Gallen 12. Juli 18

Immer eindrücklich ist- in der Nähe von Thun – ein Besuch der exquisiten Abegg-Stiftung in Riggisberg. Die Abegg-Stiftung konzentriert sich auf edle, historische Textilien und wartet mit grossen Schätzen auf! Gegenwärtig ist dort die Sonderausstellung Der Hang zur Exotik – europäische Seiden des 18. Jahrhunderts (bis 11. November 2018) zu sehen: orientalische Muster auf chinesischer Seide in märchenhafter Pracht der Rokokozeit!
Riggisberg 23. Mai 18

Schon erwähnt wurde in R+R Mai 18 die Ausstellung im Schweizerischen Nationalmuseum im Schloss Prangins, zu den Indiennes (bis 14. Oktober 2018).

JACQUES HENRI LARTIGUE – La vie en couleurs

-23. September 2018

Lausanne, Musée de l’Elysée www.elysee.ch
Nur ausnahmsweise kennt man die Farbaufnahmen vom Maler und Fotografen Jacques Henri Lartigue (1894-1986). Bekannter sind seine schwungvollen, dicht komponierten, lebensfrohen schwarz-weiss Fotografien. In Lausanne im Fotomuseum Elysée gilt das Augenmerk nun diesen unbekannteren Farbwerken, die sogar einen Drittel des Werks von Lartigue ausmachen. Sie entstanden damals mit Hilfe von neuen farbfotografischen Techniken (Autochrom, Ektachrom und Kodachrome). Der agile französische Fotograf reiste in Europa auch nach Italien, und schliesslich über den Atlantik nach Venezuela, Mexiko und Kuba. In New York dann entstand 1962 das Angebot für eine Ausstellung im Museum of Modern Art. Ein Jahr späer war dort sein berühmtes schwarz-weiss Bild von 1912 zu sehen – die Fotografie vom Auto mit dem verzerrten Reifen am Grand Prix, als Lartigue wegen der Geschwindigkeit des vorbeifahrenden Gefährts die Kamera temporeich mit bewegte. Nebst Autorennen sind Blumen, blühende Bäume und Pflanzen ein wichtiges Bildthema für den Fotografen – wegen dem Farben- und Formenreichtum, den Schatten, der Sinnlichkeit. Immer wieder ist auch seine Frau Florette natürlicher und verspielter Teil des Bildes. Mit ihr zog er 1960 nach Opio an die Côte d’Azur, nahe von Cannes und Grasse. Aber auch dokumentarische Themen interessierten den neugierigen Fotografen – wie Menschen in der Bretagne, in Dieppe und in Lourdes.  Auch Künstlerbildnisse gibt es in Lausanne zu sehen: von mit Lartigue befreundeten Fotografen, wie von Cecil Beaton, Edward Steichen, Ralph Gibson oder Bill Brandt, ebenso wie ein Bild von Federico Fellini in der Cinecittà Rom 1979. Von Fellini sagte Lartigue: er war weder besonders gross, noch besonders schwer, aber ,enorm‘… Das kann man vom grossen Jacques Henri Lartigue allerdings auch behaupten!
Lausanne 1. August 18

MANGUIN – La volupté de la couleur

-28.Oktober 2018

Lausanne, Fondation de l’Hermitage www.fondation-hermitage.ch
Ganz der leuchtenden Farbe verfallen, wie die Gruppe der Fauves überhaupt, hat der französische Künstler Henri Manguin (1874-1949) im Salon d’Automne 1905 mit Matisse, Derain, Marquet und Vlaminck ausgestellt. In der damaligen Ausstellung wurde von einem Kritiker auch der negativ besetzte Begriff der ,Fauves‘ (wilde Tiere, Bestien) für den farbenprächtigen Stil geprägt.  Es ist interessant und aufschlussreich, den Künstler Henri-Charles Manguin nun in dieser Ausstellung in der Fondation de l’Hermitage noch besser kennen zu lernen.  Bereits bekannt sind seine Werke aus der Villa Flora in Winterthur. Denn Manguin war mit dem Sammler-Ehepaar Hahnloser-Bühler befreundet, besuchte diese, und porträtierte im Jahre 1910 deren Kinder Lisa und Hans, und 1912 das Wohnhaus, die Villa Flora. Auch mehrere Stillleben mit gemusterten Tischdecken, Fayence und Früchten, gehören in die Winterthurer Sammlung und sind nun in Lausanne zu sehen. Die Sammler Hahnloser lernte Manguin übrigens durch die Vermittlung von Félix Vallotton kennen, und zwischen den Künstlern und den Sammlern entstanden wichtige Freundschaften. Bereits in den neunziger Jahren lernte Manguin während seiner Ausbildung die Künstler Marquet, Rouault und auch Matisse und Derain kennen. Neben diesen Einflüssen der künftigen Fauves, erinnern seine Landschaften in Südfrankreich oft an sein Vorbild Cézanne. Die Landschaften von Manguin sind erfüllt von verschiedenen Lichttönungen, und changieren von rosa zu orange, mit verhaltenen Schattenwürfen. Auch die kompakten Kompositionen seiner Stillleben lassen an Cézanne denken. Manguin entdeckte Cézannes Werk noch zu dessen Lebzeiten, nämlich bereits 1895 in der Galerie Vollard in Paris und verfolgte es danach weiter, auch in den Gedenkausstellungen nach Cézannes Tod im Jahr 1906. Die Handschrift seines Nachbars Paul Signac in Saint-Tropez, schimmert in Manguins Farbgebung und zeitweiligem Malstil durch. Am Meer entstanden Akte seiner Frau Jeanne, welche manchmal Matisse, bisweilen sogar Vallotton in deren monumentalen Umsetzung vor Augen führen. Während den Erschütterungen des 1. Weltkriegs hielt sich Manguin mit seiner Familie in der Schweiz auf.  Dies dank den Kontakten zu Félix Vallottons Bruder und Kunsthändler Paul Vallotton, der in Lausanne die Dépendence der Galerie Rosenberg führte. Im Sommer 1917 und 1918 besuchte Manguin sogar Colombier, nahe von Neuenburg – dort entstanden sommerlich idyllische Strand- und Badeskizzen mit Bäumen und Booten. Die detailreich aufgearbeitete Ausstellung führt uns sorgfältig in die Tiefenschichten des Künstlers, und lässt so die grossen kunstgeschichtlichen Zusammenhänge und Wechselbeziehungen der Bewegung der Fauves, aber auch die Beziehungen des Künstlers zur Schweiz, klar aufleuchten.
Lausanne 2. August 18

Einen ganz anderen Ausstellungstypus verwirklichte der legendäre Ausstellungsmacher Harald Szeemann, soeben gefeiert in der Kunsthalle Bern in der Ausstellung Museum der Obsessionen. Szeemann rühmte das durchlässige und verästelte, pulsierende Gesamtkunstwerk, und seine Ausstellungen waren in sich selber auch so konzipiert. Verbunden mit zahlreichen Künstlern, voller Offenheit, Gespür und Leidenschaft, waren seine aus der Ausstellungsgeschichte nicht mehr weg zu denkenden, vielfältigen Schauen Entdeckungen, Denkanstösse, Flächenbrände und Vektoren: visionär, fulminant und grandios!
Bern 26. August 18

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© Dagmar Huguenin 31. August 2018